Das Material der Oberbekleidung

Mutter sagte stets: „Kind, das ist Polyester, das ist schlecht, darin schwitzt du!“

Wo Mutter im Kontext der 1980/90er Jahre retroperspektivisch Recht zugesprochen werden muss, sehen die Dinge heute anders aus. Die Industrie vermochte damals technisch noch nicht, im großen Stile, atmungsaktive, hochwertige synthetische Stoffe herzustellen. Das kam später. Inzwischen darf man konstatieren, dass sowohl synthetische als auch organische Stoffe sowohl in sehr hochwertigen, als auch extrem minderwertigen Qualtäten auf den Markt geschmissen werden.

In einem überschaubaren Diskurs möchte ich Euch die unterschiedlichen Materialien mit ihren Vor- und Nachteilen vorstellen. Beginnen werde ich mit dem von mir weniger geliebten Kind: den synthetischen Stoffen. Ich bemühe mich um Unbefangenheit, kann diese aber nicht garantieren.

Funktions- sowie Sportbekleidung „sollte“ aus synthetischen Materialien bestehen. In diesem Bereich stellt das ein Qualitätsmerkmal dar. Ob man sich für das Fahrradfahren, Wandern, Fußball, Fallschirmspringen oder Schwimmen entscheidet, die Stoffe der dafür erhältlichen Ware sind mit hoher Wahrscheinlichkeit alle synthetisch. Das hat natürlich auch seinen Grund: Synthetische Stoffe bringen eine hohe Funktionalität mit ins Spiel. Sie können wasserabweisend sein, sind auf einer Seite luftundurchlässig (Außenseite von Windbreaker-Jacken etwa), begünstigen jedoch durch ihre komplexe Struktur die Transpiration der Haut zu.
Ergo: Man schwitzt zwar, merkt es aber nicht, da der Schweiß durch den Stoff „abtransportiert“ wird. Sie können Wärme speichern, sind reißfest, langlebig usw. Funktionale Vorteile über Vorteile. Aber wie alles im Leben haben auch synthetische Materialien ihre Nachteile. Einer der markantesten Nachteile gleich zu Beginn: Synthetische Stoffe sind aus Sicht des Ästhetizisten schlichtweg hässlich!

Die Haute Couture belächelt überheblich Funktions- sowie Sportbekleidung, denn mit Mode haben diese „Kleidungsartikel“ nicht viel gemein. Der denotative Unterschied zwischen Kleidung und Mode? Kleidung erfüllt lediglich einen Zweck (wärmend, einkleidend, nicht nackig seiend), wohingegen sich Mode über historisch tradierte ästhetische Maßstäbe definiert. Mode ist gewachsen und vermag es im Idealfall etwas über die Person zu erzählen. Nicht umsonst sind es die organischen Stoffe, welche fast ausschließlich für die Herstellung exklusiver Mode verwendet werden. Baumwolle, Wolle, Leinen, Leder und Seide sind die Stoffe der „wahren“ Mode. Ein guter Herren-Anzug kann nur aus Schurwolle bestehen. Dort gibt es keinen Spielraum für Mannigfaltigkeit, wiewohl die Nachfrage nach sehr günstigen Anzügen auch die Herstellung von Viskose- und Polyesteranzügen protegiert hat. Allerdings sollte man jene Kunstoffanzüge ausschließlich notgedrungen tragen (ein nachvollziehbarer Grund wäre es, mit dem Leben bedroht zu werden).

FYI: Mit dem Tragen eines Kunststoffanzuges bezweckt man potentiell eine heftige Irritation seines Gegenübers, dass sollte Eingang in die Überlegung finden. So, nun habe ich genug über dieses lästige Thema fabuliert. Wieder zurück zu dankbareren und erheblicheren Kategorien. Organische Stoffe bergen eine Vielzahl angenehmer Eigenschaften, wie etwa ihre Wärmeneutralität (Ausnahme: Wolle), ihr wahlweise mattes respektive schimmerndes Erscheinungsbild (vor allem Baumwolle) sowie der bei direktem Kontakt mit der Haut empfundene hohe Komfort. Die positiven Eigenschaften organsicher Stoffe reüssieren besonders stark bei direkter Konfrontation mit menschlicher Haut. Unterwäschen aus synthetischen Materialien sind zwar auf dem Vormarsch, da sich technologisch einiges in den letzten Jahren getan hat, werden aber mit hoher Wahrscheinlichkeit erst mal ein Nischenprodukt in diesem Metier repräsentieren. Der Vollständigkeit halber bin ich Euch noch die Nachteile organischer Stoffe schuldig. Organische Stoffe nehmen sich des abgegebenen Schweißes an und werden bei Schweißfluss schnell feucht bzw. nass. Ein Trocknen des organischen Stoffes am Körper ist langwierig. Zudem sind natürliche Stoffe weniger reißfest und somit empfindlicher als ihr artifizielles Äquivalent.

Zusammengefasst: Tragt beim Sport und Outdoor-Aktivitäten, wie etwa der Besteigung des Mount Everest, so viel Synthetik wie ihr mögt.
Im Alltag und im Business solltet Ihr synthetische Stoffe gänzlich vermeiden. Dabei nicht eingeschlossen sind wenige Jackenmodelle und selbstverständlich gewisse Accessoires wie etwa Sonnenbrillen oder Sneaker. Andernfalls schürt man weiter das stereotype Bild der Deutschen im Ausland. Denn woran erkennt man deutsche Touristen im Ausland? An den Jack Wolfskin – Outfits.

fashionbrother wünscht viel Spaß beim Einkleiden

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