Der Weg zur modischen Erleuchtung – eine Einführung.

Neulich traf ich meine alte Schulfreundin Vera in Zürich. Nach zehn Jahren des Nichtsehens bot mir ein Wochenendaufenthalt in Zürich die Möglichkeit, Vera zu treffen, die vor einigen Jahren berufsbedingt nach Zürich zog. Es war ein regnerischer Tag im Juli 2016. Unser Treffpunkt war die bekannte „Rimini-Bar“ im Herzen Zürichs. Vera erschien mit Schirm und dunklem Trenchcoat. Trenchcoats können tendenziell alles, wenn man schlank und groß ist. Vera ist groß und schlank. Lucky her. Ihr Regenschirm war mit indigo-blauem Stoff versehen und besaß eine filigrane goldene Stange, welche übergangslos im Griff endete. Très élégant! Der Stoff ihres Schirms, die Franzosen schmeicheln dem Regenschirm wunderschön mit dem Wort „Parapluie“, verlief Ton-in-Ton mit der Kolorierung ihres Trenchcoats. Das veranlasst mich Euch mit zwei goldenen Regeln der Mode vertraut zu machen:

Erstens: Niemals zu viele Farben kombinieren. Das geht meist nach hinten los. Weniger Farben sind mehr. Bis zu drei Farben „dürft“ Ihr kombinieren. Mehr nicht. Achtet darauf, dass die Farben Eures Outfits einer primären Farbgruppe (Rot, Gelb oder Blau) entsprechen. Schwarz, Grau, Weiß oder Blau, Grau, Weiß oder Rot, Braun, Orange sind beispielsweise Möglichkeiten einer Kombination. Sogenannte Tertiär-Farben (Magenta, Purpur, usw.) sowie unbunte „Farben“ (Weiß, Grau, Schwarz) werden gemeinhin als sehr modisch angesehen. Allerdings ist auch bei tertiären Farben Zurückhaltung oberstes Gebot. Wieder gilt: Weniger ist mehr! In der Regel greifen modische Menschen im Winter auf kalte Farben, im Sommer auf warme Farben zurück. Ein Bruch mit diesem ungeschriebenen Gesetz ist möglich, setzt allerdings modisches Feingefühl voraus.

Zweitens: Ich empfehle, lediglich ein sich absetzendes (ostentatives) Accessoire zu wählen, welches den „Hingucker“ des jeweiligen Outfits symbolisiert. Im Falle Veras war dies ein Carré (ein Tuch), natürlich von Hermès. Zugegeben, es hätte auch von Cartier sein dürfen, aber ein Tuch, das ist das große „leider“ an der Sache, muss aus Seide und handgearbeitet sein, ansonsten lässt man das mit dem Carré besser sein. Accessoires des höheren Preissegmentes sind immer Investitionen. Meiner Meinung nach lohnen sich diese, da sich der Anschaffungspreis über die Jahre bzw. Jahrzehnte amortisiert. Exemplarisch: Eine Handtasche der etablierten Luxusmarken kostet ein kleines Vermögen. Doch wenn die Quintessenz einer solchen Anschaffung mit dem Beginn einer langen Freundschaft (zwischen dem modischen Gut und Dir) einhergeht, scheint mir das einer Legitimation gleichbedeutend. Lieber einmal alle 20 Jahre eine Tasche für beispielsweise 2000 € (selbstredend ist die enorme Qualität dieser Güter, da sich Luxusmarken qualitative Fehltritte nicht erlauben dürfen- den Kunden sähen sie bei einer Enttäuschung nie wieder!), als sich zweimal im Jahr eine Plaste-Handtasche für 100 € zu gönnen. Menschen mit geschultem modischem Blick wissen auf hundert Meter Entfernung um die Qualität eines modischen Accessoires, ganz gleich, ob wir über eine Armbanduhr oder einen Hut reden.

Ich möchte nicht als „elitärer Blogger“ misverstanden werden. Auch ich habe nicht das monatliche Income eines Bankiers, sondern bin Student und spare Monate, manchmal Jahre auf den Konsum eines bestimmten Gutes hin. Mein Credo lautet seit Jahren: Keine Kompromisse! Entweder das „Original“, den „Klassiker“ oder Enthaltsamkeit, bis man sich dieses oder jenes Gut leisten kann. Auf diesem Wege entsteht sukzessive eine Kollektion schönster Sachen, die qualitativ das Feature „Ich bin ein Erbstück“ mitbringen. Was gibt es Schöneres? Außerdem stellt sich eine Loslösung vom „konsumistischen Mainstream“ ein, dessen Ideologie im Sinne der Industrie „kaufen, kaufen, kaufen“ lautet. Diese „Abercrombie“ und „Jack & Jones“- Menschen investieren ganz sicher nicht weniger als ich in Klamotten. Mit dem riesen Unterschied, dass, in aller Bescheidenheit, alles an mir durchkonzeptioniert, harmonisch und hochwertig wirkt, wohingegen der „Abercrombie“- Mensch besser sein Geld gespart hätte. Nehmt Euch die Zeit und informiert Euch über die wenigen modischen Klassiker, die es gibt. Die Genese eines modischen Halbwissens ist rasch geschehen und anschließend kann man sich entspannt zurückgelehnt fragen, was man eigentlich wirklich möchte.

fashionbrother wünscht viel Spaß beim Shoppen.




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