Die richtige (Sonnen-)Brille für Männer

Irgendein spitzfindiger Brillen-Designer in den 1990er Jahren dachte sich: „Warum muss man Brillen eigentlich sehen? Wäre es nicht das Beste, eine Brille zu designen, die quasi unsichtbar ist?“

Und Schwupps war die „rahmenlose“ Brille geboren. To make a long story short: Es gibt keine unsichtbaren Brillen und wird sie nie geben, solange Brillen haptische Gegenstände sind.
Und das ist auch überhaupt kein Problem, ganz im Gegenteil: Ist man auf das Tragen einer Brille angewiesen, sollte man aus der Not eine Tugend machen. Es gibt eine ganze Reihe Brillen, die zweifellos universelle Designklassiker darstellen. Z.B. die Savile Row Beaufort Panto, bekannt aus den Filmklassikern Indiana Jones I-III. Harrison Fords Robe in den Abenteuer-Kultfilmen gilt längst als legendär in der Modeszene. Alden Boots (Alden 405 alias „Indy Boot“), Fedora-Hut und natürlich seine Brille. Ford in seiner Rolle als abenteuerlicher Geschichtsprofessor ist längst eine Stilikone. Eine andere Stilikone, wenn nicht DIE angelsächsische Stilikone des 20. Jahrhunderts finden wir in der Person des 1980 verstorbenen Steve McQueens. Längst posthum zum personifizierten Werbeflaggschiff diverser Brands (z.B. Barbour) geworden, wurde vor allem die Persol 714 durch ihn weltberühmt. Die Persol 714 gilt als brillentechnisches Meisterwerk. Sie verfügt über insgesamt 5 Gelenke und ist auf ein absolutes Minimum an Größe faltbar. Zudem ist sie wunderschön. Die Persol 714 ist der legitime Nachfolger der Persol 649. Als die Persol 649 im Jahr 1957 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, war keinem bewusst, dass diese Brille auch 2016 Brillen-Connaisseure beglücken würde. Auch diese ist wunderschön.

Beide Persol-Brillenmodelle entstanden vor über 50 Jahren und verfügen heute nicht umsonst über eine grenzenlos positive Reputation. Obwohl sich die Persol-Brillen preislich in etwa auf einer Ebene mit Ray-Ban-Brillen bewegen, sind Persol’s weit weniger inflationiert als ihre Luxottica-Schwester Ray-Ban. Während Ray-Ban wahrscheinlich die Marke mit den weltweit meisten Plagiaten repräsentiert, ist Persol nach wie vor meist nur Brillen-Enthusiasten ein Begriff (zumindest in Deutschland). Natürlich gehören in jeden Brillendiskurs auch die Klassiker Ray-Bans. Und da haben wir die Aviator, Wayfarer und Club-Master. Alle drei Modelle haben das globale Brillen-Design nachhaltig geprägt, hier mal in eigener Sache: 80% der auf dem Weltmarkt erhältlichen Sonnenbrillen richten sich in ihrem Design nach den drei eben erwähnten Ray-Ban Modellen und das macht das ganze ziemlich unsexy und monoton – at least meine Meinung.

Die Wahl der Brille sollte abgestimmt zur Physiognomie des individuellen Gesichts erfolgen. Außerdem sollte bei der Wahl einer Brille immer der Charakter einer Person berücksichtigt werden. Der einen Person bekommt die Wayfarer (kantiges Brillenmodell: steht vor allem rundköpfigen Typen), während der anderen Person eventuell eine Persol 714 zu empfehlen ist (durch das leicht extravagante Design rate ich eher introvertierten Menschen von diesem Modell ab, da die Brille auf Grund ihres dynamischen Designs Kommunikationsfreude suggeriert). Beide Faktoren, Gesichtsform und Charakter der Person, sollten beim Kauf einer Brille unbedingt Berücksichtigung finden.

Falls möglich, sollte man sich mit seiner Brille anfreunden. Das Verhältnis zum Brillengestell sollte keiner Zweckbeziehung ähneln, viel mehr sollte die Wahl für eine Brille proaktiv erfolgen. Schließlich gäbe es ja auch Kontaktlinsen und die Möglichkeit einer Augen-OP, derer man sich bedienen kann (zumindest in Industriestaaten).

Ist die Wahl pro Brille erst mal getroffen, sollte das allerdings der Beginn einer langen Freundschaft bedeuten. Denn nur, wer seine Brille überzeugt und stolz trägt, kann Authentizität versprühen und in sich geschlossen harmonisch wirken.

Und hier zur Erleichterung: Wenn dieser Blog Euer brillentechnisches Interesse geweckt haben sollte: Googelt einmal klassische (Sonnen-) Brillen. Ihr werdet sehen, dass sich nahezu alle heutigen Brillenmodelle an Brillen-Archetypen orientieren. Ich empfehle eine Beschau dieser Archetypen (sind 5 -10 Brillen). Zu Charakter und Physiognomie eines Individuums wird ein Archetyp am ehesten passen. Davon ausgehend kann die Brillensuche starten. Der individuelle Geschmack entscheidet darüber, wie modifiziert vom Archetypus die Brille der Wahl daherkommen soll. Kleiner Tipp zum Schluss: Umso klassischer die Brillenwahl, desto zeitloser (und nachhaltiger) der Kauf. Denn das schönste an ästhetischen Klassikern ist der Konsens, der Konsens verschiedener Generation und Kulturen, die ein Produkt für schön befunden haben. Das macht den Kauf von Klassikern so schön.

fashionbrother wünscht viel Spaß beim Shoppen.




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