Fashion Essentials – Sneaker

„Sind das Nike’s?“,
„Nee, das sind New Balance Schuhe!“.

Eine typische Szene zweier Berliner im Jahr 2005. Heute kennt jeder New Balance – zumindest in Berlin.
Einzige Restriktion: Oberflächliches Modebewusstsein und gelegentliches Kiez-Bier in einem der Trendbezirke Berlins. Geschlechtsunabhängig ist der Sneakerkult längst arriviert und etabliert.

Wer cool ist, trägt Turnschuh. So die Bezeichnung vor nicht allzu langer Zeit.

Sneakerläden schießen aus dem Boden und der Online-Handel mit den geklebten Botten boomt seit Jahren.
Große Marken wie etwa Nike, adidas oder asics bringen in regelmäßigen Abständen neue Modelle auf den Markt. Selten erproben sich die Brands dabei an avantgardistischen Neuerfindungen des Turnschuhdesigns. Der potentielle Konsument sieht sich eher mit sogenannten Retro- oder Vintagemodelle bereits renomierter Sneaker der Kulturgeschichte konfrontiert. In allen erdenklichen Farben und manchmal leicht modifiziert. Woran liegt das?

Ein Erklärungsversuch: Das digitale Zeitalter, die Gegenwart, diktiert stärker denn je, was hip ist und was nicht.
Der Gegenwart wird gerne attestiert, sie sei postmodern. Postmodern und Schuhe?

Die Postmoderne ist die erste Epoche, in der ihre Protagonisten (die Menschen) selbstreferentiell sind.
D.h. auf deutsch: Es lässt sich vermeintlich konstatieren, dass sich Trends und gesellschaftliche Bewegungen wiederholen- und zwar in immer wiederkehrenden Zyklen.

Gut, dass hat auch schon Hegel behauptet. Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied: Das Besondere der Postmoderne ist, dass sie die Vergangenheit romantisierend referiert und mit Hilfe der medialen Kanäle stets Reminiszenzen kreiert. So releaste Nike im vergangenen Jahr den Nike Cortez – wieder einmal. Der Cortez, 1972 das Licht der Welt vernommen, mag den wenigsten etwas sagen, doch die meisten werden ihn kennen. Tom Hanks als Forrest Gump und Leonardo DiCaprio, in seiner Rolle des Lebemanns Jordan Belfort, haben dem Cortez ein Denkmal gesetzt.
Gump wetzte mit ihnen durch „halb“ Nordamerika und DiCaprio vermochte es, trotz größter körperlicher Strapazen, mit den Cortez noch in seinen Lamborghini einzusteigen.

Der Cortez „Forrest Gump“ war letztes Jahr binnen weniger Wochen ausverkauft.

Der Cortez „Belfort“ ist derzeit in den Schaufenstern der Foot Locker Stores zu bewundern und scheint Nike ebenfalls reißenden Absatz zu garantieren. Neben dem Cortez gibt es eine Reihe anderer Modelle verschiedener Brands, die sich inzwischen kult schimpfen dürfen, wie beispielsweise der AirForce One von Nike (1985 präsentierte ihn Marty McFly der Welt in Back to the Future) oder etwa der adidas Superstar, schon zur Jahrtausendwende hip, wird dieser gerade überwiegend von urbanen modebewussten Frauen neuentdeckt und erfährt seine Renaissance. Zum wiederholten Male.
Auch der adidas Superstar ist kulturhistorisch kein unbeschriebenes Blatt.
Run DMC machten ihn zum ultimativen Kultschuh der 1980’er bevor er auch innerhalb der global aufkommenden Breakdance Szene zum unverzichtbaren „Must-Have“ wurde.

Was unterscheidet den Kultsneaker vom Sneaker?
Kultsneaker sind Designklassiker. Das Design der Retro-Sneaker ist meist schlicht und gewohnt. Gewohnt, da man sich über die Zeit mit dem Aussehen vertraut gemacht hat. Denn Kultstatus benötigt Zeit. Er muss verdient werden. Die Ästhetik dieser Schuhe repräsentierte schon vor Jahrzehnten das Modebewusstsein der damaligen Generationen. Und sie tun es noch heute. Die klare Formsprache der neo-klassischen Treter garantiert dem Träger vor allem eins: Zeitlosigkeit. Diese Zeitlosigkeit trifft auf verdienten Wiedererkennungswert. Verdient, weil sich diese Sneaker durchsetzen konnten. In zwei Worten: Schuh-Darwinismus.
Sie unterliegen keinen Trendschwankungen und laufen keine Gefahr, nach einer Dekade für Scham und Entsetzen zu sorgen, wenn man mal wieder das Familienalbum aufschlägt.

Unsere Collage bietet eine Auswahl an Kultsneakern. Diese ist unbedingt exemplarisch zu verstehen.

fashionbrother wünscht viel Spaß beim Shoppen.

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