Man(n) trägt Hut

Kopfbedeckungen sind so eine Sache. Schwieriges Terrain, da die meisten Kopfbedeckungen einen bestimmten Style vorgeben. Wie etwa Basecaps. Basecaps sind super, solange man nicht vorhat, jene klassisch zu kombinieren. Das geht nämlich nicht. Basecaps kommen aus dem US-amerikanischen Sport, genauer gesagt vom Baseball. Sie sind günstig in der Herstellung, pflegeleicht und eignen sich gut als Sammelartikel. Manche biegen den Schirm, andere belassen diesen gerade und wieder andere fingen schon vor Jahrzehnten damit an, die Basecap asymmetrisch auf den Kopf zu setzen.
Zuerst waren da die Hip-Hopper, dann kamen die Skater (Subkultur des Hip-Hops) und schließlich alle.
Was für die Freizeitmode die Basecap ist, ist für die klassiche Herrenmode der Hut. Der klassiche Hut kann verschiedene Formen haben. Ich beschränke mich allerdings in meiner Beschreibung auf den Fedora, die Melone und den Panamahut (weil ich diese klassischen Hutmodelle persönlich am schönsten finde und diese am vielfältigsten zu kombinieren sind).

Der Fedora ist ein klassischer Hut mit nach unten gebogener Krempe und tellerförmigen Einbuchtungen zu beiden Seiten der Hutkrone. Ein altbewährter Vertreter des Fedora ist der Bogarthut, der nach seinem berühmten Träger Humphrey Bogart benannt wurde. Für den Laien: Der Fedora ist der typische Hut der 1950er Schwarzweiß-Filme. Amerikaner trugen in den 1950ern fast ausschließlich Fedoras.

Die Melone ist ein abgerundeter Hut mit fester, nach oben gerollter Krempe aus zumeist steifem Filzmaterial. Ursprünglich wurde die Melone in klassischem Schwarz bei Pferdeausritten getragen. Auch sehr schön, allerdings schwieriger zu kombinieren als der Fedora.

Last but not least, der Panamahut. Der Panamahut wird bei seiner Herstellung durch Feuchtigkeit, Druck und Wärme mit einem Hammer und einem Bügeleisen in seine spezifische Form gebracht. Er besteht aus geflochtenem Stroh. Billige Panamahüte (Werbegeschenke) machen nicht selten einen sehr fragilen Eindruck. Teurere Panama-Modelle sind allerdings sehr widerstandsfähig und robust. Sie lassen sich immer wieder in die richtige Form drücken und können bei entsprechender Pflege zu einem jahrzehntelangen Begleiter avancieren.

Die Wahl des Hutes ist selbstverständlich abhängig vom Wetter. Ein Fedora und eine Melone sind bei Temperaturen über 18 Grad schnell schweißtreibend. Zwar sorgt der Naturfilz (obligatorisches Qualitätsmerkmal eines guten Hutes) eines Fedoras und einer Melone für ein angenehmes Klima zwischen Kopf und Hut, doch ab gewissen sommerlichen Temperatur geht eigentlich nur noch der Panamahut, der auf Grund seiner Eigenschaft als Strohhut temperaturneutral um die Ecke biegt.

Vor dem Kauf eines Hutes sollten einige wichtige Hinweise postuliert worden sein: Die Größe eines Hutes wird meist mit dem Umfang beziffert. Ich beispielsweise habe eine Hutgröße von 56/57. D.h. meine Birne hat einen Umfang von 56/57 cm.

Der aufgesetzte Hut sollte nicht drücken, darf aber auch nicht zu locker auf dem Kopf sitzen, da der Hut sonst beim ersten Windzug ein Eigenleben entwickelt und das wäre schade. Ferner sind Fedora und Melone wie bereits erwähnt aus Naturfilz, d.h. Tierhaar und nicht aus synthetischen Materialien.

Ein guter neuer Hut kostet gut und gerne 100 Euro +. Das ist viel Geld, allerdings hat man aller Voraussicht nach beim Kauf eines guten Hutes einen treuen Lebensbegleiter an der Seite. Und es gibt natürlich den Gebrauchtwarenmarkt. Dort kann man zu unschlagbaren Konditionen Hüte als Nachlassgüter erwerben. Gebrauchte Hüte haben oft bereits eine schöne Patina und gewisse altersbedingte Beulen im Hut lassen jene charakteristisch wirken.
Nun gibt es aber auch beim stolzen Tragen eines Hutes gewisse Kleinigkeiten zu beachten.
So sollte der gesamte Look beim Tragen eines Hutes nicht zu „casual“ ausfallen. Kurze Hosen, Printshirt usw. gehen gar nicht. Sehr schön sind auch Tücher und Schals kombiniert mit Hut.

Der Hut ist neben der Uhr das wichtigste Accessoire eines Gentlemans. Aber auch hier gilt wie bei der Uhr: Es gibt keinen Kompromiss. Eine einfache Faustregel besagt: Entweder Hut und Uhr sind hochqualitativ und klassisch gehalten oder man verzichtet besser darauf. So ist das halt mit der Mode, oftmals ist ein „garnicht“ besser als der Versuch dieses modische Gut zu substituieren. Ich empfehle daher den Weg des Sparens: Erstens schürt man damit die generelle Wertschätzung für ein Produkt. Und zweitens hat man bei einem vernünftigen Qualitäts-Kauf tendenziell immer ein Erbstück am Start.

Fair enough, oder?
fashionbrother wünscht viel Spaß beim Shoppen.




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